theaterring wolfsburg
Partner und Förderer des Theaters seit 1965
Wolfsburger Allgemeine vom 15.01.2018
theaterring wolfsburg Partner und Förderer des Scharoun Theaters seit 1965 theaterring wolfsburg      Bildung, Kunst und Kultur
Beim Theaterring steuert das Publikum die Geräusche bei Der Neujahrsempfang des Wolfsburger Theater-Rings ist mittlerweile eine Institution. Er hatte es auch dieses Mal wieder in sich, mit einer besonderen One-Man-Show. Gruselige Atmosphäre: Der Neujahrsempfang des Theaterrings war auch Dank des Publikums schaurig-schön. Quelle: Boris Baschin Als der Theaterring vor einem Jahrzehnt zu seinem ersten Neujahrsempfang bat, glaubte niemand so recht, dass dieser Empfang zu einer festen Einrichtung werden würde. Er wurde es dennoch, wie Vorstandsvorsitzende Dorothea Frenzel bei ihrer Begrüßung am Samstag zum „zehnjährigen Jubiläum“ auf der Hinterbühne des Scharoun-Theaters voller Freude anmerkte. Sie freute sich besonders, den 150 Gästen aus diesem Anlass ein künstlerisches Ereignis von Rang präsentieren zu können: Bernd Lafrenz mit seiner One-Man-Show „Liebe, Lust und Leidenschaft“ frei nach William Shakespeare. Der Mime aus Freiburg weiß sich in Wolfsburg auf festem Boden. Seit vielen Jahren ist der Shakespeare-Experte hier zu Gast und hat sich die Sympathien des Publikums erspielt. Die Zuschauer wissen, dass der Komödiant auf ihre Mitwirkung im außerordentlichen Spektakel setzt. Ohne Aufforderung sorgen sie mit Geräuschen für eine gruselige Atmosphäre im mitternächtlichen Park, lassen Turmuhren schlagen und Schlosstüren knarren, Pferde wiehern und galoppieren, bringen Schiffe zum Kentern, übernehmen als Pantomimen den Part von gierigen Haien. Shakespeare als One-Man-Show: Bernd Lafrenz. Quelle: Boris Baschin Querbeet geht es an diesem Abend durch das Werk des britischen Dichters. Lafrenz wütet sich durch die Tragödien von Othello, König Lear und Macbeth, funktioniert sie kurzerhand zu saftigen Komödien um, lässt Intrigen eskalieren und Leichen purzeln, ehe er sich dem Sommernachtstraum widmet. Da erfindet er Personen, erweitert Dialoge, wechselt im atemberaubenden Tempo Klamotten und Masken und schafft es, in nicht einmal zwei Stunden in 44 Rollen zu schlüpfen. Irrwitzige Einfälle, herrliche Albernheiten, ein Feuerwerk an Pointen. Trotzdem spürt das Publikum immer den Respekt des 63-jährigen Solokünstlers vor dem Schöpfer der Figuren, über die zwar gelacht wird, die aber nie der Lächerlichkeit geopfert werden. Der Rest versinkt deshalb auch nicht in Schweigen, sondern in stürmischen Ovationen für das Multitalent Bernd Lafrenz. Von Katrin Mauke Shakespeare, Lafrenz und ein Lesezeichen Der Theaterring lud zum zehnten Neujahrsempfang. Von Hans Karweik Foto: Lars Landmann Prosit auf ein erfolgreiches neues Jahr (von links): Gisela und Bodo Fleckstein, Elisabeth Schmidt-Madest, Lothar Schmidt, Dorothea Frenzel und Christa Birkhahn beim Neujahrsempfang des Theaterrings. Ein Glas Sekt, auch gerne zwei, noch dazu ein ungewöhnliches Lesezeichen mit dem langgezogenen Scharoun-Theater auf der einen, dem Zuschauerraum auf der anderen Seite gab es erst in der Pause. Da war Bernd Lafrenz bereits das zentrale Thema auf dem zehnten Neujahrsempfang des Theaterringes Wolfsburg. Auf der Hinterbühne hat er bereits die ersten 60 Minuten seines 100-minütigen Auftritts hingelegt. Mit allem, was für den Komödianten dazu gehört: Witz, Pointen, Ironie, dennoch Respekt für die literarischen Leistungen Shakespeares. Hamlet, Macbeth, Othello, Romeo und Julia, den Sturm und den Sommernachtstraum bringt der gebürtige Kieler am Samstagabend rasant auf die Hinterbühne. Komödiantisch, auch wenn viel Blut fließt in Shakespeares Tragödien und Komödien. Lafrenz hat das Spiel mit der Mimik, der Maske und der Musik auf der Piazza della Signoria, einem der berühmtesten Plätze Italiens, gelernt; weshalb er dieses „Best-of“auf Itaienisch eröffnet. Das erlaubt ihm zugleich, die Rolle eines Clowns einzunehmen, bevor er sich in den Schauspieler Lafrenz verwandelt. Als Schauspieler gibt er den allen Rollen ihren spezifischen Charakter, kennzeichnet Wesen und Verhalten des dänischen Prinzen Hamlet wie des venezianischen Seehelden Othello oder der intriganten schottischen Lady Macbeth. Er nimmt allen Rollen wieder ihre Ernsthaftigkeit, indem er sie, dann wieder Komödiant, mit Clownerie etwas ins Lächerliche zieht: da verliebt sich Romeo in Julia, Tochter der verfeindeten Familie Capulet in Verona. Als er davon erfährt, sagt er „macht nichts“. Als Julias Vater davon Kenntnis erhält, lässt er es laufen: „Er hat einen guten Ruf“. So locker geht eine Tragödie in eine Komödie über. Verkürzungen wie der witzige Ritt Hamlets tragen dazu bei, dass Lafrenz viel, viel Beifall erhält und lange Gespräche auslöst. Die rund 150 Zuschauer machen gern mit, lassen den „Sturm“ akustisch zu orkanartigen Böen anschwellen. Von Lafrenz unter ein blaues Tuch gesteckt, sind sie das bewegte Meer. So macht Shakespeare Spaß und doch transportiert der Schauspieler und Komödiant die tieferen Inhalte über Liebe, Lust und Leidenschaft. Zum Vergnügen auch der Ringvorsitzenden Dorothea Frenzel, die den Mitgliedern damit dankte.
Wolfsburger Nachrichten vom 15.01.2018